| Im Sportpark trainieren "pfundige Kids" |
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Berliner Zeitung, 24. November 1998 Im Sportpark trainieren "pfundige Kids" Kinder kämpfen gemeinsam gegen Ihr Übergewicht "Pfundige Kids" trainieren ihren Speck weg Im Sport-Gesundheitspark turnen übergewichtige Kinder / In den Pausen lernen sie, richtig zu essen Vorsichtig balanciert Moritz mit der linken Hand einen Schaumgummiball auf einem Tennisschläger. Mit der rechten läßt er einen Basketball auf dem Boden springen. Der Neunjährige ist einer von etwa 30 "pfundigen Kids" so nennen die Mitarbeiter des Sport -Gesundheitspark die Kinder, die sie jeden Sonntag trainieren. Auch Moritz leidet unter seinem Übergewicht und kommt deshalb regelmäßig in die Halle an der Forckenbeckstraße 21. "Hier merken die Kinder, daß sie alle in der gleichen Situation sind", sagt Peter Schwitters vom Verein Sport-Gesundheitspark. Jedes Kind wird während des Kurses regelmäßig sportmedizinisch untersucht. Nicht nur das Gewicht, sondern auch die Kondition sowie der Zustand von Herz und Kreislauf werden ständig kontrolliert. "Moritz hatte als Sechsjähriger direkt hintereinander Scharlach und Keuchhusten", sagt seine Mutter. In dieser Zeit krankheitsbedingter Untätigkeit begann ein Teufelskreis, aus dem sich Moritz auch mit Hilfe seiner Eltern nicht mehr befreien konnte: Inaktivität gepaart mit übermäßigem Essen. "Mein Sohn wurde wegen seiner Moppeligkeit in der Schule gehänselt und hat sich auch im Schülerladen immer mehr von den anderen zurückgezogen", sagt die Wilmersdorferin. Seit einem halben Jahr treibt Moritz nun einmal in der Woche zweieinhalb Stunden lang Sport mit anderen beleibten Leidensgenossen. Die Kosten für einen halbjährigen Kursus betragen 240 Mark. "Kevin, mach das richtig", ruft Filip Blank einem kleinen Kasper zu, der herumalbert, statt sich ernsthaft mit seinen Übungen zu beschäftigen. Blank ist einer von vier Übungsleitern, die mit den Kindern turnen. "Zuerst spielen wir in der Halle und machen Koordinationsübungen und Gymnastik." Danach können die Kinder zwar ein wenig verschnaufen, lernen dabei aber von Barbara Howald, wie sie sich gesünder ernähren können. Die meisten wissen schon, welche Lebensmittel sie beim Frühstück meiden sollen: "Weißbrot, Nutella und Erdnußbutter." Einer der Kleinen rätselt: "Wieso denn Nutella, Boris Becker ist doch dünn?" Barbara Howald erklärt: "Es hat keinen Sinn, die Kids mit Kalorienzählen zu quälen, aber sie müssen lernen, daß einige Getränke zu viel Zucker enthalten oder welche Lebensmittel zu fett sind." "Gleich geht s in die Folterkammer", flüstert der siebenjährige Angelo und grinst. Die nächsten 30 Minuten strampeln die Kinder auf Fitneß -Fahrrädern. "Wer zum Schluß nicht schwitzt, hat gemogelt", sagt Blank. Doch wer aushält, wird belohnt. Die letzte Station des Sportsonntags ist das Schwimmbad. Übungsleiter Endré Puskas zieht einen Drückeberger wieder ins Bekken zurück: "Man muß aufpassen, daß einen die Kinder nicht um den Finger wickeln. Sie sind brillante Schauspieler, haben perfekt gelernt, zu verdrängen." Erfolge des Gemeinschaftssports machen sich bei vielen "pfundigen Kids" rasch bemerkbar: "Ich will ja nicht, daß Moritz gertenschlank wird", sagt seine Mutter. Das Wichtigste sei, daß er sich jetzt wieder etwas zutraue, selbstbewußter und aktiver geworden sei. "Wenn er sein Gewicht hält, verwächst sich bald auch das Bäuchlein." Die Kinder sollen nicht für immer bei den "pfundigen Kids" bleiben. Ziel ist laut Peter Schwitters, daß die Kinder an andere Sportvereine weitergeleitet werden. "Mit Ausflügen zu anderen Sportarten versuchen wir ihnen andere Sportarten schmackhaft zu machen." |





