| Eine Frau im Männerzirkel |
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Berliner Zeitung, 11. März 2003 Eine Frau im Männerzirkel Gudrun Heinz - Sportmedizinerin im Zentrum für Sportmedizin und Ringärztin des Berliner Boxverbands BERLIN, 10. März. Niemals hatte sie daran gedacht, Boxer zu behandeln. Die Eisschnellläufer hätten es eigentlich sein sollen, denn diesen Sport hatte sie selbst betrieben; die Probleme der Athleten waren ihr vertraut, es waren schließlich einmal die eigenen. Doch dann, 1981, wurde ihr der Faustkampf zugeteilt im Zuge der Ausbildung zur Fachärztin im Sportmedizinischen Dienst in Ostberlin. Ein Jahr lang betreute Gudrun Heinz (48) die Boxamateure. Dann aber sollte sich ein Mann als Sportmediziner um den Boxsport kümmern, "kein Klischeedenken und keine Diskriminierung", wie sie betont, vielmehr eine Entscheidung aus praktischen Erwägungen: Die Zimmerzuteilung auf Reisen war das wichtigste Argument gegen eine Frau im Betreuerstab der Boxer, denn der Faustkampf ist seit jeher ein Männerzirkel. Als hermetisch hat dieser sich allerdings nicht erwiesen: "Die Trainer haben mich behutsam eingeführt." Auch die Athleten fassten schnell Vertrauen. Die Boxer sind die liebsten Noch immer betreut Gudrun Heinz die Amateurboxer beim Boxring Berlin, seit 1991 wieder, Trainer hatten damals angefragt, ob sie für die Heimkämpfe zur Verfügung stehen würde. Sie stimmte zu, denn längst hatte sie Gefallen am Boxen gefunden: "Es ist der Kampf Mann gegen Mann, der reglementiert ist und ohne Tücken auskommt. Es gibt keine versteckten Ellbogen wie beim Handball", sagt Gudrun Heinz. Mit ihrer Tätigkeit als Ringärztin an Wochenenden ist kein Geld zu verdienen; hauptamtlich ist sie am Zentrum für Sportmedizin tätig. Dennoch hat sie kaum einen Heimkampf binnen der letzten zwölf Jahre versäumt, auch zu Auswärtskämpfen reist sie mit. Der Grund sei allein die "spezielle Liebe für das Boxen. Als Ärztin betreue ich alle Sportler, aber die Boxer sind mir die liebsten. Sie sind die zugänglichsten." Oft würde über Probleme geredet, die nicht mit dem Sport zu tun hätten. Das sei zeitaufwändig, doch Idealismus gehöre eben dazu. Ihre Arbeit während des Kampfes ist erstaunlich unspektakulär. Nur einmal in all den Jahren musste das Krankenhaus unmittelbar neben der Spandauer Bruno-Gehrke-Boxhalle aufgesucht werden. Ein Rippenbruch sei es damals gewesen, doch so etwas komme selten vor, sagt die Medizinerin. Vor dem Kampf untersucht Gudrun Heinz die Boxer auf akute Infekte, beschaut die Fäuste und das Gesicht nach Verletzungen. Ständig hält sie während der Duelle Blickkontakt zum Kampfgericht: "Der Ringrichter ist in der Regel so gut geschult, dass er einen Kampf abbricht, bevor der Boxer in kritische Situationen kommt", sagt sie. Das sei der wohl größte Unterschied zum Profiboxen. Viele Profis sind von Gudrun Heinz betreut worden, als sie noch Amateure waren; Sven Ottke, Thomas Ulrich, Michel Trabant, Marcus Beyer und Oktay Urkal. Sport ist eine Konstante im Leben der Medizinerin geblieben. Auch ihre vier Kinder haben zum Leistungssport gefunden; die 15-jährige Tochter Jennifer sogar zum Boxen. Probleme mit dem Frauenboxen sieht Gudrun Heinz nicht, Frauenhandball sei gefährlicher, doch dies zu vermitteln, sei eine Herausforderung gewesen: "Es war schwierig, den Männern beizubringen, dass es eine Sportart wie jede andere auch für Frauen ist." BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN Gudrun Heinz (48), Ringärztin des Berliner Boxverbands und Mutter von vier Kindern |





