| Bewegung für einen Neuanfang |
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Neues Deutschland, 31. Dezember 2008 Bewegung für einen Neuanfang Sport kann nach einer Krebserkrankung zu neuen Kräften führen von Stefan Otto Sigmund Josten hat nie Sport gemacht. Schon in der Schule konnte er Wettkämpfe nicht leiden. Dann ist er jedoch an Krebs erkrankt, war zwei Monate im Krankenhaus, und irgendwann, nachdem die Ärzte ihn schon fast aufgegeben hatten, sträubte er sich, weiter dahinzusiechen. »Ich begann, die Beine anzuheben, einen Monat lang, und bin anschließend 14 Tage auf der Stelle gelaufen.« Das waren Trockenübungen. »Wer hätte das geglaubt, aber mit 37 Jahren bin ich zum ersten Mal in meinem Leben freiwillig gejoggt«, erinnert sich der Psychotherapeut. Das ist nun 16 Jahre her. Nach und nach kam Josten wieder zurück ins Leben. Das war für ihn ein einschneidendes Erlebnis, was er anderen weitergeben wollte. Deshalb hat er vor acht Jahren einen Krebssportverein gegründet. Bewegung helfe den Erkrankten nach dem Abschluss der Behandlung wieder zu Kräften zu kommen, sagt Kerstin Brandes, Ärztin am Zentrum für Sportmedizin in der Clayallee. Ein gravierendes Problem bei Patienten sei das Fatigue-Syndrom, eine anhaltende körperliche wie psychische Ermüdung, wodurch eine Wiederaufnahme des Alltagslebens erschwert werde. Die Erschöpfungserscheinung gilt häufig als unvermeidliche Folge einer Krebsbehandlung. »Doch gerade in diesem Fall ist eine Reduzierung der körperlichen Aktivität kontraproduktiv«, erklärt Brandes, weil dadurch eine weitere Abnahme der Leistungsfähigkeit erfolge. Allerdings sind pauschale Ratschläge schwierig, schließlich gibt es rund 200 Krebsarten, die entsprechend unterschiedliche Nachbehandlungen verlangen. »Wir orientieren uns nach den Ressourcen der Erkrankten und nicht nach ihren Defiziten«, sagt Freerk Baumann, Sportmediziner an der Sporthochschule in Köln. »Ist jemand an Leukämie erkrankt, wäre Schwimmen falsch, weil das Immunsystem nach einer hoch dosierten Chemotherapie sehr geschwächt ist, aber Ausdauertraining kann wiederum sehr hilfreich sein.« Männer, die an Prostatakrebs leiden, seien oft inkontinent, so dass eine Stärkung der Beckenbodenmuskulatur wichtig sei, meint Baumann. Am Zentrum für Sportmedizin in der Clayallee, wohin Krebspatienten zur Therapie kommen, finden vor dem Start ins Training umfangreiche Voruntersuchungen statt. »Nicht zuletzt spielt die Gefühlslage der Erkrankten eine Rolle«, erläutert Kerstin Brandes. Die Patienten können sich entscheiden, ob sie in eine Krebssportgruppe gehen oder lieber in eine Gruppe mit Gesunden, weil das für sie einen Schritt zurück ins alltägliche Leben bedeutet. Der Eishockey-Torwart Robert Müller, der trotz einer Hirntumorerkrankung im November aufs Eis zurückkehrte, mag dafür ein prominentes Beispiel sein. Die meisten Fälle erregen jedoch weniger Aufsehen. Bevor Edeltraud Sobora 1991 an Krebs erkrankte, leitete sie orthopädische Schwimmgruppen im Klinikum Buch. Nach ihrer eigenen Reha baute sie selbst eine Krebssportgruppe auf und fand enormen Zuspruch. Mittlerweile gibt es 13 Gruppen für Wassergymnastik, die an den BTV Olympia angegliedert sind. Obwohl die meisten Kurse auch für Männer angeboten werden, nehmen jedoch vor allem ältere Frauen nach einer Brustkrebserkrankung dieses Angebot wahr. »Nach Brustamputation ist das Körpergefühl oft gestört, und es kommt zu Fehlhaltungen im Schulterbereich«, weiß Sobora. Gymnastik könne in diesen Fällen entgegenwirken. Sport hilft jedoch nicht nur in der Nachsorge, sondern kann auch das Risiko einer Erkrankung verringern. Beim Brust- wie beim Darmkrebs sei dies wissenschaftlich belegt, sagt Freerk Baumann und erläutert, dass vor allem Hormone eine Tumorerkrankung begünstigten. Regelmäßiger Sport helfe, den Östrogenspiegel niedrig zu halten, und die Gefahr eines Brustkrebsleidens verringere sich um 40 Prozent. Bei Darmkrebs sei Insulin ein Motor für die Erkrankung, und sportliche Aktivität senke den Insulinspiegel, erklärt Baumann. Einig sind sich die Mediziner außerdem, dass regelmäßige Bewegung den Lebensstil beeinflusse. Sportler rauchen weniger und ernähren sich ausgewogener, so dass bedeutende Risikofaktoren wegfallen. Aber eine Versicherung gegen Krebs ist auch das nicht. Die gibt es nicht. www.krebssport.de www.btv-olympia.de www.sport-gesundheitspark.de |





