| Gut ernährte Kinder sind schlauer |
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Berliner Zeitung, 17. März 2011 Karen Saß, 47, ist Ernährungswissenschaftlerin am Sport-Gesundheitspark Berlin (www.Sport-Gesundheitspark.de), wo sie auch Ernährungskurse für übergewichtige Kinder gibt. Was habe ich falsch gemacht, wenn mein Kind am liebsten Nudeln "mit ohne Soße" isst? Dann wurde das Kind nicht früh genug an Gemüse gewöhnt. Im Idealfall beginnt das schon ab sechs Monaten. Zum Beispiel mit einem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, wobei das Gemüse an erster Stelle steht. Die angeborene Vorliebe für Süßes kann man befriedigen, indem man süßes Gemüse wie Möhre und Kürbis oder milde Sorten wie Zucchini oder Kohlrabi serviert. Wenn das nicht geklappt hat, wie kriege ich mein Kind später zum Gemüseessen? Es ist nie gut, ein Kind mit Essen zu belohnen. "Wenn du das aufisst, bekommst du ein Eis" - das ist falsch. Besser ist es, das Gemüse appetitlicher anzurichten - oft genügen ein paar Sesamkörner als Verzierung oder Früchte als Ergänzung. Generell mögen Kinder Rohkost lieber als gekochtes Gemüse. Etwa rote Paprika oder Möhren mit geriebenem Apfel und einem Dressing aus Zitronensaft und Honig. Darf es trotzdem Dessert geben? Auf jeden Fall, das rundet die Mahlzeit ab. Zum Beispiel Quark oder Joghurt mit frischen Früchten. Viele Eltern scheuen die Diskussion ums Gemüse am Tisch. Wie kann man das entschärfen? Auch wenn es manchmal Stress gibt - gemeinsame Mahlzeiten sind wichtig. Kleine Kinder schauen sich Ernährungsgewohnheiten ab, deshalb sollten Eltern bewusst Gemüse essen. Oft klappt das in der Kita besser: In der Gruppe isst ein Kind dann Brokkoli, obwohl es zu Hause nichts Grünes anrührt. Sollte man Gemüsemuffeln Nahrungsergänzungsmittel geben? Nein, bei Kindern bis zum Schulalter auf keinen Fall. Dafür ist der Magen- und Verdauungstrakt noch nicht angelegt. Kinder bekommen aus allen Lebensmitteln ausreichend Nährstoffe und Vitamine. Und was ist mit den angeblich so gesunden Kinderlebensmitteln? Milchschnitte, Fruchtzwerge und Vitaminbonbons zielen vor allem auf die Eltern ab und suggerieren ihnen eine besonders gute Versorgung ihrer Kinder. Das stimmt so nicht. Kinderlebensmittel enthalten oft zu viel Zucker und Fett. Da hilft nur ein Blick auf die Zutatenliste. Ab wann gilt ein Kind als übergewichtig? Da kommt man mit dem BMI-Wert, wie bei Erwachsenen, nicht weiter. Stattdessen betrachtet man die sogenannten Perzentilkurven. Eine Möglichkeit zur Überprüfung ist www.mybmi.de - dort kann man den Perzentil-Wert des Kindes bestimmen. Ab welchem Alter machen denn Programme gegen Übergewicht Sinn? Erst ab dem Schulalter. Generell sind Gewichtsschwankungen bei Kindern normal. Es gibt ja den sogenannten Babyspeck. Dann stabilisiert sich das Gewicht zwischen zwei und drei Jahren und zur Einschulung strecken sich die Kinder meist noch mal. Welche Auswirkungen kann Übergewicht bei Kindern haben? Wird nichts unternommen, haben diese Kinder als Erwachsene ein größeres Risiko, an Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen zu leiden. Und wer sich viel bewegt, bleibt nicht nur schlank, er stimuliert auch Gehirnverbindungen. Man könnte sagen trainierte, gut ernährte Kinder sind schlauer. Interview:Franziska Walser. ------------------------------ Foto: Expertin für Essen: Karen Saß. |





